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Posted by: jaysetwo

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Original: 3/30/2009 1:52 PM
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Monday, March 30, 2009

Zum Nachdenken...

 

 

Geboren vor 1970...

"Es war fast wie in der Feuerzangenbowle, als ich mit meinem alten Schuldfreund Eduard Silkenbäumer vor einiger Zeit zusammen saß und über die vergangene, gemeinsam verbrachte Schulzeit schwadronierte. Lang war es her. Weißt Du noch? Damals? Gemeinsam hatten wir in den 50er und 60er Jahren glückliche und deutlich mehr weniger glückliche Erfahrungen gesammelt. Aber nach einigen Stunden und einigen Schoppen guten Weines kamen wir zu dem Ergebnis: WIR WAREN HELDEN!!!
Natürlich hat das hier mit allen, die nach 1970 geboren wurden, gar nichts zu tun. Oder nur am Rande. Auf jeden Fall ist der Leser gar nicht gemeint.
Wer in den 40er, 50er, oder 60er Jahren des letzten Jahrhunderts geboren wurde, kann heute rückblickend kaum glauben, dass er bei der Unmenge lebensbedrohlicher Gefahren so lange überleben konnte.
Als Kinder saßen wir, wenn überhaupt, in Autos ohne Sicherheitsgurt und Airbag. Unsere Betten waren angemalt mit Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir genauso ohne Schwierigkeiten öffnen, wie die Limo-Flaschen, in denen die Oma ihr Bleichmittel und Spiritus oder der Opa seinen selbst gebrannten Schnaps aufbewahrte. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Finger, und auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm. Wir tranken Wasser direkt aus Wasserhähnen und nicht aus chic gestylten Mineralwasserflaschen. Gebadet wurde nur am Samstag, sonst mussten wir uns mit kaltem Wasser waschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Wir verließen morgens das Haus zum Spielen, erkundeten die Welt in Ruinen und ungesicherten Neubauten, blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zuhause sein, wenn die Straßenlaternen angingen.
Niemand wusste in der Zwischenzeit, wo wir waren. Wir hatten nämlich kein Handy.
Wir bekamen gegen alles Mögliche übelschmeckenden Lebertran zu trinken und ekelhaft riechende essigsaure Tonerde auf verstauchte Knöchel, wenn wir wieder mal in den Fahrradspeichen hängen geblieben waren, weil es noch keinen Speichenschutz gab. Wir haben uns geschnitten und brachen uns Knochen und Zähne. Keiner fragte nach Aufsichtspflicht oder gar Produkthaftpflicht. Niemand wurde deswegen verklagt. Wenn etwas passiert war, hatte niemand Schuld außer uns selbst. Auf Spielplätzen und Schulplatzecken wurde die Hackordnung ausgekämpft und gelegentlich schlugen oder traten wir uns dabei grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht besonders. Allerdings gab es weder Waffen noch Messer, sondern nur Fäuste und Füße. Wir aßen Kekse, Drops, Karamellen, Buttercremetorte und kalte Hundeschnauze, schütteten ganz viel süße Brause in uns hinein und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb daran.
Wir hatten keine Playstation, kein Nintendo, keine X-Box, weder eigene Fernseher, Video- und DVD-Recorder, noch Computer, Internet und Chatrooms, Telefon und Handy. Aber wir hatten ganz viele Freunde!!! Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir gingen einfach zu denen nach Hause, wo wir meistens nicht einmal klingeln mussten, weil niemand tagsüber sein Haus hermetisch abschloss. Keiner brachte uns und keiner holte uns wieder ab. Und wenn es regnete, wurden wir eben nass.
Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken, Steinen und Murmeln. Wir malten mit Kreide große Kästchen auf den Bürgersteig, um zu hüpfen oder bastelten uns ein Gummitwist. Einige von uns aßen Dreck und Würmer. Und die dunklen Prophezeiungen der Älteren trafen nicht ein. Die Würmer lebten nicht für immer in uns weiter. Und mit den Holzstöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus. Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, musste lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen.
In der Schule waren manche Schüler fleißig, stinkefaul oder einfach weniger schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte nicht zu emotionalen Elternabenden und schon gar nicht zur Änderung der Leistungsbewertung.
Wir durften Stängel noch mit e schreiben, zu Hause noch klein und zusammen und dass mit ß. Unsere Lehrer hatten keinen Nervenzusammenbruch nach dem anderen und wurden auch nicht reihenweise frühpensioniert.
Unsere Streiche oder das, was wir dafür hielten, hatten Konsequenzen. Nicht immer, aber häufig. Das war jedem klar, und keiner konnte sich hinter einer schlimmen Kindheit verstecken. Wenn wir gegen das Gesetz verstoßen hatten, haben uns die Eltern nicht automatisch aus dem Schlamassel rausgehauen, weil sie oft der gleichen Meinung waren, wie die Polizei.
Trotz dieser Widrigkeiten ist aus uns was geworden, hat unsere Generation eine Fülle von flexiblen, innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Misserfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit all dem wussten wir umzugehen.
Geboren vor 1970? Erkennst Du Dich wieder? Dann gehörst Du auch dazu. Herzlichen Glückwunsch!!! WIR WAREN HELDEN!!! Geboren nach 1970? Das ist die Juristen-Generation, die alles durchdenkt, alles absichert und dann leider oft erst dann zu Entscheidungen kommt, wenn die Sache schon gelaufen ist. Die hat etwas verpasst und braucht deshalb den Kick beim Freeclimbing, Bungee, Canyoning oder wie die Abenteuerersatzevents alle heißen. Natürlich alle beaufsichtigt, geführt und produkthaftpflichtversichert. Ihr seid Helden."      von Ulrich Hinse

 Posted 3/30/2009 1:52 PM - 7 Views - 0 eProps - 0 comments

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